Die Innovations-Hochburg in Österreichs Süden

Kärnten. Stark durch Innovation: Nicht nur für Prominente, sondern auch für das Who is Who der österreichischen Elektronik- und Mikroelektronik-Branche ist Kärnten der schönste Fleck Österreichs.

Von Andre Exner

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Die Industrie Kärntens steht heute für Innovationen, Hightech und Know-how. Doch noch lange vor dem Silizium in den Elektronikbausteinen dominierte in der Region das Eisen: Die Geschichte der Kärntner Industrie begann noch in der Antike mit dem berühmten norischen Eisen, dem Erfolgsprodukt bis zum 19. Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Eisenverhüttung geschlossen - danach dominierten viele kleine holzverarbeitenden Betriebe. Nach dem Krieg lief alles im "Notprogramm". Denn es fehlte an jeglicher Art von Ressourcen: Energie, Verkehrswege, Finanzen, ehe die Wiederaufbauprogramme griffen. Chancen wurden vergeben. So hat Ferdinand Porsche sein Konstruktionsbüro 1944 von Stuttgart nach Gmünd verlegt und hier den Prototypen des "James-Dean-Porsche", des Modells 356 zu produzieren begonnen. Die dem Land und dem österreichischen Wirtschaftskomitee präsentierten Pläne verliefen jedoch leider im Sand.

Erst 1950 fand dann der industrielle "Take-off" Kärntens statt - es gab erfolgreiche Ansiedlungen im Bereich Elektro und weniger erfolgreiche im Bereich Textil/Bekleidung/Leder. Ab den 1980er-Jahren wurde der Produktivitätsrückstand der Kärntner Industrie endgültig abgebaut - die Folge war ein Strukturwandel, weithin sichtbar durch Projekte wie Hightech-Campus Villach und Industriepark Arnoldstein. Und dieser Strukturwandel brachte mehr Wertschöpfung und mehr Beschäftigung.

Wichtige Leitbetriebe

Die positive weitere Entwicklung der Kärntner Industrie war mit der Zunahme von Kompetenz und Innovation an Standorten von Leitbetrieben verbunden, aber auch mit der Etablierung von technischen Studiengängen an Universität und Fachhochschule sowie von außeruniversitären Forschungszentren wie dem Carinthian Tech Research, das jetzt den Kern der Silicon Austria Labs bildet, dem Holzforschungszentrum Wood K-Plus oder den Lakeside Labs im erfolgreichen Klagenfurter Lakesidepark.

Dass der Innovationsschub vor allem aus dem Unternehmenssektor kommt, zeigen die Wirtschaftsberichte des Landes seit Jahren. Mehr als drei Viertel der Forschungsausgaben sind den vor allem größeren Unternehmen zuzurechnen. Die Forschungsquote insgesamt beträgt 3,15 Prozent (2015, gemessen nach Hauptstandort der Forschungsaktivitäten), was im Bundesländervergleich hinter Steiermark, Wien und Oberösterreich die vierte Stelle bedeutet. Die wachsende Innovation der Sachgütererzeugung hatte aber noch einen anderen positiven Effekt: Kärnten hat laut Zahlen des Wifo (Die Wirtschaft in den Bundesländern III. Quartal 2018) mit 17,2 Prozent von allen Beschäftigten in der Sachgütererzeugung von allen Bundesländern den höchsten Anteil an Hightech-Beschäftigten. Hier spielen internationale Konzernstandorte eine ganz wesentliche Rolle.

Rund um diese Leitbetriebe haben sich sukzessive Zulieferer und Dienstleister angesiedelt, die Wertschöpfungsketten bilden. Da hat Kärnten allerdings noch Aufholbedarf. Der Anteil der Dienstleistungen an der regionalen Wirtschaftsleistung ist im Österreich-Vergleich unterdurchschnittlich, jener der Industrie hingegen überdurchschnittlich. Das mag auch mit dem Faktum zusammenhängen, dass die Kärntner Industrie weniger von Clustern dominiert wird, sondern räumlich und inhaltlich sehr unterschiedliche Schwerpunkte hat. Oft sind es einzelne, international tätige Paradebetriebe, die für sich allein stehen.

Die größte Branche ist Elektronik/Mikroelektronik: Seit dem Jahr 2016 ist dieser Bereich in Kärnten regelrecht explodiert. Die Zuwächse beim Produktionswert betrugen von 2015 auf 2016 und von 2016 auf 2017 jeweils fast ein Drittel (laut Jahresbericht der Sparte Industrie der WK Kärnten). Für 2018 wird ein ähnlicher Sprung erwartet. Ein Blick in den vorhin zitierten Wifo-Bericht zeigt für die Sachgüterproduktion einen Zuwachs von 12,1 Prozent gegenüber dem III. Quartal des Vorjahres - der höchste Wert im Bundesländer-Vergleich, der um mehr als 100 Prozent über dem Österreich-Schnitt liegt. Der Dienstleistungssektor wuchs demgegenüber nur um 1,6 Prozent, der unternehmensnahe aber sogar um 5,2 Prozent. Das zeigt: Die Kärntner Industriequote ist stark im Steigen begriffen und die Industrie ist der Motor der Wirtschaft.

Zweitgrößte Branche ist die Maschinen-/Metallindustrie. Hier gibt es hoch wettbewerbsfähige international tätige Betriebe, die in ihren Nischen teilweise weltweit führend sind - aber auch viele kleinere Unternehmen, die Standardprodukte zuliefern und Beschäftigung bis in die entfernteren Täler sichern.

Die drittgrößte Branche ist die Holzindustrie. Sie ist inzwischen hoch automatisiert und innovativ. Von voll digitalisierten Sägewerken bis zur Weiterverarbeitung von Spezialprodukten für die Baubranche, von Plattenproduktionen bis zu Papier- und Verbundwerkstoffen reicht die Palette. Hier ist die Kärntner Industrie Weltklasse.

Die viertgrößte Branche ist die Chemie: Der Traditionsbetrieb schlechthin ist die noch im 19. Jahrhundert von Auer von Welsbach gegründete, hoch innovative Treibacher Industrie AG, die Seltene Erden für die Stahlproduktion liefert oder keramische Grundstoffe etwa für künstliche Hüftgelenke. Dazu kommen Betriebe im Schleifmittelbereich, Pharmaunternehmen und Spezialisten bei der Produktion von Tabletten, aber auch bei Nahrungsergänzungsmitteln.

Roadmap für Kärnten

Auch wenn die Liste der Top-Player in der Kärntner Industrie lange ist, konnte sich dieser Fakt im Image des Bundeslands noch nicht festsetzen. Denn ein Standortmarketing ist erst in Ansätzen vorhanden. Die erste wesentliche Forderung der IV-Kärnten ("Roadmap für Kärnten") an die Landesregierung ist daher die Umsetzung einer Zentralraumstrategie, die einen für Ansiedlungen/Erweiterungsinvestitionen genauso wie für die Zuwanderung von Studierenden und Fachkräften attraktiven Raum zum Leben und Arbeiten schafft: die "Landeshauptstadt Wörthersee" zwischen Villach und Klagenfurt, einen gemeinsamen Uni-FH-Campus, außerdem das Nützen der neuen hochwertigen Verkehrsverbindung Koralmbahn, um noch stärker mit dem steirischen Zentralraum zu kooperieren. Zweitens fordert die IV-Kärnten ein durchdachtes, den Stärken der Wirtschaft und Industrie Rechnung tragendes Standortmarketing, das nicht nur den Tourismus, sondern auch das Arbeits-, Bildungs-, Technologie- und Forschungsland vermarktet. Drittens fordert die IV-Kärnten eine neue smarte Verwaltung, die Verfahren im Bundesländervergleich am schnellsten abwickelt und sich insgesamt effizienter organisiert - und gerade davon würde nicht nur die Industrie, sondern die gesamte Wirtschaft Kärntens profitieren.

Weitere Informationen finden Sie unter: 
www.industrie4oe.at